Kein Schlussstrich unter die Erinnerung

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Am Lagertor des Konzentrationslagers Buchenwald war der Spruch „Jedem das Seine“ als zynische Inschrift angebracht, die den Häftlingen von innen (vom Appellplatz aus) zugewandt war.

Bad Vilbel.

„Am Tor von Buchenwald steht dieser furchtbare Satz: ‚Jedem das Seine‘. Die Nazis meinten damit: den Häftlingen den Tod, uns die Macht. Aber wir, die Nachfahren, wir deuten das heute um. ‚Jedem das Seine‘ bedeutet für uns: Jedem Menschen seine unveräußerliche Würde. Jedem Menschen seine Freiheit. Jedem Menschen sein Recht, so zu sein, wie er ist – egal woher er kommt, woran er glaubt oder wen er liebt.“

Mit diesen eindringlichen Worten gab der Entertainer Hape Kerkeling kürzlich als Hauptredner zum 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald dem Schriftzug am Lagertor eine neue, in die Gegenwart weisende Bedeutung. Als Enkel des politischen Häftlings Hermann Kerkeling brach er das jahrzehntelange, bleierne Schweigen seiner Familie, um eine hochaktuelle Warnung auszusprechen: Ein Schlussstrich unter die Erinnerung wäre der Schlussstrich unter unsere Demokratie.

Im Zuge der jährlich stattfindenden Menschenrechtstage besuchten die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 des Georg-Büchner-Gymnasiums Bad Vilbel kürzlich die Gedenkstätte Buchenwald. Nach einer filmischen Einführung im Kino der Gedenkstätte erhielten sie eine Führung über das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. Sie erkundeten dabei Teile des vormaligen SS-Bereichs und gelangten über den sogenannten Caracho-Weg zum Torgebäude, zum Appellplatz sowie zum Krematorium.

Für die angehenden Abiturienten wurde vor Ort greifbar, dass die Würde des Menschen keine Selbstverständlichkeit ist, sondern täglich geschützt werden muss, schreibt die Schule. Der Besuch habe ihnen gezeigt, dass die Erinnerung an die Verbrechen des NS-Regimes weit mehr ist als nur theoretisches Pflichtprogramm und trockener Geschichtsunterricht: Sie ist das eigentliche Fundament der heutigen Demokratie.

Die Gedenkstättenfahrt wurde durch den Wetteraukreis und die Stadt Bad Vilbel großzügig finanziell unterstützt. Die Schulgemeinde bedankte sich herzlich für diese Förderung, die einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet hat, das historische Bewusstsein der Jugendlichen zu schärfen.


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