Bad Vilbel. Der Partnerschaftsverein Ukraine-Bad Vilbel freut sich über einen Förderbescheid in Höhe von 5000 Euro. Diesen hat Staatssekretärin Karin Müller am Dienstagnachmittag den Vereinsmitgliedern überreicht. In zwei Wochen empfangen diese gleich 15 ukrainische Kinder, die jeweils einen Elternteil im Krieg verloren haben, in Bad Vilbel.
Große Dinge werfen ihre Schatten voraus. Vom 1. bis 9. August reisen 15 ukrainische Kinder und drei Betreuer aus der Stadt Hostomel nahe Kiew nach Bad Vilbel. Sie werden eine Woche voller Programm in der Quellenstadt und den Nachbarstädten erleben. „Neun Tage Frieden statt Angst“, sagt der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Ukraine-Bad Vilbel, Ralf Decker. Er ist stolz. „Wir haben uns vor nicht einmal einem Jahr gegründet. Heute baut die Stadt eine Städtepartnerschaft in der Ukraine auf und wir können bald die ersten Kinder hier begrüßen. Das ist toll.“
Der Verein hat sich Ende August des vergangenen Jahres gegründet. Anfang November haben die Mitglieder Kontakt mit der Stadt Hostomel aufgenommen. Schnell war allen Verantwortlichen auf beiden Seiten klar: Das passt. Der Kontakt wurde intensiviert. „Was mich wirklich begeistert, ist, wie schnell wir immer Antworten und Rückmeldungen bekommen haben“, sagt Decker. Der neue Verein nimmt anschließend an Aktionen und Konzerten teil und generiert Spenden für die Aktion „Neun Tage Frieden statt Angst“. Ziel ist es, dass die Kinder einfach mal wieder Kind sein sollen. Ohne Sirenen und in Sicherheit.
Viele Sponsoren und Unterstützer
Dafür hat der Verein nicht nur finanziell viel Unterstützung erhalten. Die Ukrainer werden im Berufsförderungswerk in Bad Vilbel untergebracht. Gastronomen haben angeboten, kostenlos Essen beizusteuern. Getränke kommen gratis von Hassia. Die Kinder werden das Freibad besuchen – die Eintrittstickets spendierte Bad Vilbels Erster Stadtrat im Auftrag der Stadt –, eine Führung bei FFH und der Feuerwehr erhalten, einen Graffiti-Workshop absolvieren oder einen Freizeitpark besuchen. „Wir freuen uns auch, dass es eine spezielle Backstage-Führung im Frankfurter Zoo geben wird. Dafür wird sogar ein ukrainischer Tierpfleger abgestellt“, berichtet Decker. Diese Hilfsbereitschaft sei etwas ganz Besonderes. „Wir sind überglücklich mit dem Programm und der ganzen Unterstützung.“
Die Dankbarkeit brachte er auch Staatssekretärin Karin Müller entgegen, die einen Förderbescheid in Höhe von 5000 Euro überreichte. Mit dem Bescheid will die Landesregierung das Engagement würdigen, das die grenzüberschreitenden Beziehungen mit Leben füllt. „Das ist für mich ein ganz besonderer Termin und ein ganz besonderer Bescheid“, sagt sie. Schließlich ist das Land Hessen erst kürzlich mit der Oblast (Region) Kiew im Norden der Ukraine eine dauerhafte Partnerschaft eingegangen. „Das Thema liegt uns also besonders am Herzen.“
Partnerschaften leben vom Austausch
Müller bekam anschließend einen Einblick in das erste Wirken des Vereins in Bad Vilbel. Sie sagt: „Es ist ein ganz besonderes Projekt. Ich finde es wirklich schön, was sie den Kindern ermöglichen.“
Den Einblick in die Aktionen und die noch kleine Geschichte des Vereins gab Jochen Müller. Er fasste humorvoll zusammen: „Ukraine heißt immer Musik und Essen.“ Das Ziel sei aber natürlich ein lebendiger Austausch. Die Hälfte der Vereinsmitglieder sei aus der Ukraine. Decker ergänzte: „Städtepartnerschaften leben vom Austausch. Natürlich ist das der Plan. Das gestaltet sich nur momentan schwierig.“ Das Thema Besuchen sei momentan deshalb eher eine Einbahnstraße. Der Verein sei aber auf das Stadtfest im Oktober in Hostomel eingeladen. „Da müssen wir schauen, ob wir uns das zutrauen.“
Wichtig sei ohnehin erst einmal, die Kinder zu empfangen und den Kontakt zu halten. „Jeder kleine Stein trägt etwas zum großen Ganzen bei“, sagt Decker. Ein besonderer Termin wird für alle der Besuch bei der Feuerwehr. „Sie hat schon lange Kontakte in die Ukraine.“ Deshalb wollen die Verantwortlichen auch Ehrenstadtbrandinspektor Gerhard Stengel einladen, der bei Kriegsausbruch seine Kontakte in beiden Ländern nutzte, um Familien gemeinsam mit vielen Helfern in Bad Vilbel in Sicherheit zu bringen. „Der Austausch mit der Ukraine hat in Bad Vilbel deshalb eine lange Geschichte“, sagt Decker. Er sei froh, in diesem Jahr bereits so viele „herzerwärmende Begegnungen“ erlebt zu haben. „Wir sind unendlich dankbar und motiviert.“ Schließlich soll der Besuch nur der Anfang sein. Vereinsmitglied Andreas Quint ergänzt abschließend: „Das ist der erste Schritt. Gedanklich sind wir schon beim zweiten oder dritten.“

