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Wetteraukreis. CDU-Kandidat Dr. Thomas Pauls hat bei der Bundestagswahl am Sonntag mit deutlichem Abstand die meisten Erststimmen im Wetterauer Westen geholt. Dass er auch als Abgeordneter nach Berlin darf, war am späten Abend wahrscheinlich, aber noch nicht offiziell. Für die SPD-Abgeordnete Natalie Pawlik war der Abend ebenfaalls eine Zitterpartie. Am frühen Montagmorgen war dann klar, dass beide im nächsten Bundestag vertreten sein werden.
Der 38-jährige CDU-Kandidat Dr. Thomas Pauls holte im Wetterauer Wahlkreis (176) mit 33,7 Prozent der Erst-Stimmen Platz eins. Die Union konnte bei ihrer Wahlparty im Alten Hallenbad in Friedberg einen gelungenen Abend feiern.
Bei einer Pressekonferenz im Friedberger Kreishaus dankte Pauls seiner schwangeren Frau Johanna – das Kind kommt im Mai –, die ihn zuletzt wenig gesehen habe, seinem Team und den Mitbewerbern »aus der demokratischen Mitte« für einen fairen und engagierten Wahlkampf.
Pauls hat eine steile kommunalpolitische Karriere hingelegt. 1986 am Tag der deutschen Einheit in Würselen (NRW) geboren, wohnt er erst seit der Hochzeit 2021 in der Wetterau, Pauls forscht seit über zehn Jahren zum Finanzverhalten privater Haushalte. Nach der Habilitation im Juli in Gießen wagte er den Sprung ins politische Business und ließ sich in Absprache mit dem Wetterauer CDU-Vorsitzenden Hahn als Kandidat für den Bundestag aufstellen. Pauls spulte in den vergangenen Wochen wahnsinnig viele Termine ab; jeden Tag stand er bei zwei bis drei heimischen Betrieben, Behörden oder Bürgermeistern vor der Tür. Der Aufwand hat sich gelohnt.
Pawlik ist innerhalb der SPD gut vernetzt
Enttäuschung dagegen bei der bisherigen Bundestagsabgeordneten Natalie Pawlik (SPD). »Es ist ein schlimmer Tag für die SPD«, sagte die Bad Nauheimerin, die sich bis zuletzt noch Hoffnungen auf die Verteidigung des Direktmandats gemacht hatte. Doch könne sie als einzelne Kandidatin den Bundestrend nicht umdrehen. Pawlik holte mit 25,7 Prozent der Erststimmen gleichwohl ein sehr gutes Ergebnis.
Ob die 32-Jährige in den kommenden vier Jahren weiter Abgeordnete im Bundestag sein wird, war am Abend unsicher. Mit Platz 8 auf der Landesliste sah es aber danach aus. Dass Pawlik wohl weich fällt, hat sie ihrem Sicherheitsnetz zu verdanken. Pawlik ist innerhalb der Sozialdemokraten hervorragend vernetzt, hatte alle ihre Trümpfe ausgespielt: Wetterauer Bürgermeisterinnen oder Vereinsvorsitzende riefen auf ihrem Instagram-Kanal dazu auf, Pawlik zu wählen. Auch postete sie für ihre 7900 Follower (vor vier Jahren waren es noch 2400) ein Video, in dem mehrere SPD-Spitzen (Fraktionsvorsitzender Rolf Mützenich, Generalsekretär Matthias Miersch, Arbeitsminister Hubertus Heil und Bundesvorsitzender Lars Klingbeil) von ihrem Engagement schwärmen und die Wetterauer Wähler baten, »die Natalie« in Berlin zu lassen.
Dass es zwischenzeitlich gar nach einem Dreikampf um den Sieg aussah, war dem Abschneiden der AfD geschuldet. Deren Direktkandidat Klaus Herrmann grinste über beide Ohren, als die ersten Ergebnisse aus kleinen Orten in Nidda, Büdingen und Echzell eintrudelten. Da lag er mit Pauls noch gleichauf. Am Ende landete er bei 17,5 Prozent auf dem dritten Platz. Sein Statement bei der Pressekonferenz wurde von Zwischenrufen unterbrochen. Applaus gab es bei seiner Aussage, die AfD-Vertreter seien als Anti-Demokraten beschimpft worden.
»Die Stärkung der Extrem-Rechten muss aufgehalten werden«, betonte Grünen-Kandidat Esra Edel, der 9,7 Prozent der Erststimmen holte. Auch Pawlik sagte, sie habe Sorge um die Demokratie, ihr mache aber Mut, »dass die Mehrheit der Gesellschaft demokratisch gewählt hat«. Die Wahlbeteiligung in der Wetterau lag bei 84,7 Prozent.
David Hessler